Ti-Entertainment

Ein kleiner Diskurs über die Spaltung der Umma Theologie

Ein kleiner Diskurs über die Spaltung der Umma

Ein kleiner Diskurs über die Spaltung der Umma

 

Die letzten fünf Amtsjahre des segenreichen Prophetengefährten und Khalifen Osman und die danach insbesondere mit seiner Ermordung anfangende Ära des Terrors veränderte die islamische Welt. Ein Wendepunkt in der Geschichte des Islams war sicherlich der Konflikt zwischen dem Prophetengefährten und dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed (Allahs Frieden und Segen auf ihn) Ali und dem Sohn von Abu Sufyan, Muaviye. Die SIFFIN Schlacht ist der Dreh-  und Angelpunkt für die spätere Spaltung der Umma.

Um das genau verstehen zu können, müssen wir in der Geschichte noch ein wenig zurück.  

Der Prophet (Auf ihn Allahs Segen und Frieden) verstarb im Jahre 632 und alle waren in Trauer. Die Menschen wollten es nicht wahrhaben, dass der Prophet der letzten Religion verstorben war. Sie glaubten oder besser gesagt wollten ihrer tiefen Trauer wegen nicht an Aisha`s Worte glauben, als sie verkündete, dass der Prophet verstorben sei. Die Menge, die sich in der Prophetenmoschee versammelt hatte, war schockiert. Der Prophet war in den Armen seiner geliebten Frau Aisha verstorben. Der Prophetengefährte Umar sagte: „ Nein, nein, das kann nicht sein. Ihr lügt. Er ist nicht verstorben, er kann nicht von uns gegangen sein.“ Auch weitere Prophetengefährten schlossen sich Umar an und leugneten es. Doch Abu Bakr schimpfte mit ihnen und sagte: „ Der Prophet ist auch nur ein Mensch. Er ist auch sterblich. Nur Allah der Erhabene ist unsterblich. Unser Prophet ist von uns gegangen, zu einem schöneren Ort wo er auf uns wartet“ seine Augen füllten sich dabei mit Tränen. Er versuchte aufrecht zu bleiben um die Gemeinschaft zu mobilisieren und einen Chaos zu verhindern. Jeder fragte sich, was denn nun passieren würde. Wer würde jetzt die Befehle für die Umma erteilen und die Gemeinschaft aufrecht erhalten? Während Ali sich mit der Bestattung und Beisetzung des Propheten beschäftigte versammelten sich schon einige von den Aws und Hazradsch Stämmen, um einen Nachfolger für den Propheten zu bestimmen. Die Ensar beanspruchte dieses Recht für sich, weil sie den Propheten und die Muhadschirun-die Emigranten von Mekka nach Medina- bei sich aufgenommen hatten. Der Prophet  hatte diese beiden, Ensar und Muhadschirun zu Brüdern gemacht. Kurz bevor sie Sa`d bin Ubada zum neuen Staatsoberhaupt wählen konnten, erfuhren Abu Bakr und Umar von dieser Versammlung in der Sakifetu Beni Saide und stürmten die Versammlung. Unterwegs schloss sich Abdullah ibn Cerrah noch mit an. Ali beschäftigte sich mit der Beisetzung und bekam von diesem ganzen Drumherum nichts mit. Sie legten ihr Veto ein und sagten, dass die Emigranten, die Quraisch das Recht auf die Nachfolge des Propheten hätten.  Eine hitzige Diskussion entfachte sich.  Umar ergriff die Initiative und fragte die Menge: „ Wer von euch denkt wirklich, er sei geeigneter, besser und fähiger als Abu Bakr dieses Amt zu walten? Wer von euch hat die Nacht mit dem Propheten während der Hijra in der Höhle mit ihm zusammen verbracht? Wer war dem Propheten näher und geliebter als Abu Bakr?“ Die Menge hielt inne. Keiner hatte etwas zu entgegnen. Umar hatte Recht und das wussten alle. Also einigten sie sich auf Abu Bakr und gaben ihren Eidesschwur ab. Am nächsten Tag versammelte sich die Menge in der Prophetenmoschee und alle Muslime ordneten sich Abu Bakr unter, außer Ali.“

Ali machte dies nicht, weil er immer noch mit der Beisetzung des Propheten beschäftigt war. Niemand hatte ihn nach seiner Meinung gefragt oder gar auf ihn gewartet. Später argumentieren Schiiten und Aleviten mit dieser Tatsache, dass hierdurch Ali unrecht betrieben wurde. Es gibt noch weitere Aspekte die von diversen Gruppen, die sich später gespalten haben. Einige sagen, dass die Tochter des Propheten und die Frau von Ali, Fatima, später zu Abu Bakr gegangen sei und ein Teil des Erbes des Propheten für sich in Anspruch nehmen wollte. Doch Abu Bakr solle dies abgelehnt abgelehnt und gesagt haben, dass ein Prophet nichts Materielles als Erbe hinterliese. Es wird behauptet, dass Fatima deswegen bis zu ihrem Tod mit Abu Bakr nicht geredet haben soll. Genauso wenig Ali. Doch spätestens nach dem Tod von Fatima ordnete sich Ali unter und erkannte Abu Bakr als rechtmäßigen und rechtgeleiteten Khalifen an. Doch Shiiten, die Partei Ali`s, die sich später als separate Gruppe herauskristallisierten, behaupten, dass Ali auch dies nicht mit freiem Willen getan habe. Er habe es aus Furcht getan.

Abu Bakr regierte 2 Jahre. In seiner Zeit als Khalif wurden wichtige Kriege geführt. Der Koran wurde zum ersten Mal vereint. Alle einzelnen Exemplare wurden zusammengeführt, nachdem im Kampf gegen die Mürtad, also diejenigen die sich vom Islam wieder abwandten, viele Gelehrte starben und die Gefahr groß war, die Koranverse zu verlieren. Abu Bakr bestimmte Umar als Khalifen nach ihm. Die Ära von Umar war die glorreichste Zeit. In dieser Zeit expandierte das islamische Territorium immens. Viele Länder wurden erobert. Viel Geld floss in die Staatskasse ein. Neue Kulturen und Völker kamen ins islamische Territorium. Sehr viele konvertierten zum Islam über und prägten die islamische Kultur.  Umar wurde später Opfer eines Attentats. Ibn Lüle rammte einem vergifteten Dolchen in den Körper des rechtgeleiteten Khalifen. Noch im Sterbebett bestimmte Umar eine Kommission aus sechs Personen  die unter sich einen Khalifen wählen sollten. Das waren folgende Prophetengefährten: Abdurrahman ibn Avf, Osman, Ali, Sad bin Ebi Vakkas, Zübeyr bin Avvam und Talha bin Ubeydullah.

Nach drei Tagen traf die Kommission unter dem Kommando von Abdurrahman bin Avf eine Entscheidung. Der Nachfolger von Umar war somit Osman.  Auch hier kamen später von Schiiten und Aleviten Verschwörungstheorien. Sie sagten, dass auch hier Ali benachteiligt wurde, weil der Leiter der Kommision Abdurrahman bin Avf verwandt mit Osman ist. Doch wie gesagt mein Kind. Man kann vieles Behaupten, wichtig ist es auch beweisen zu können. Aber das ist für uns irrelevant, denn es ist nicht wichtig, wer etwas macht, sondern was man macht. Die ersten fünf bis sechs Jahren verliefen sehr erfolgreich. Doch danach kamen keine neuen Eroberungen, ergo keine neuen Einnahmen und keine Erfolge. Hinzu kamen einige Fehlentscheidungen seitens Osmans hinsichtlich der Bestimmung seiner Bediensteten und Bürgermeister (Vali). Er bevorzugte seine Verwandten bei der Bestimmung, welches ihm später zum Verhängnis wurde, denn einige seiner Verwandten waren nicht sehr beliebt und es war auch einer dabei, den der Prophet ins Exil geschickt, und  dem Abu Bakr und Umar beide nicht gestattet hatten zurück zu kommen. Abu Bakr und Umar weigerten sich einen Sünder, den der Prophet ins Exil geschickt hatte, wieder zurück zu holen.

Sicherlich wirst du jetzt sagen warum Osman das gemacht hat und dass dies ein riesen Fehler war. Es war zweifelsohne ein riesen Fehler aber Osman hatte einen sehr erbarmungsvollen, gütigen und sentimentalen Charakter, der ihm vor allem wenn es um seine Verwandten ging zu einem Laster wurde. Er vergab ihm und billigte seine Rückkehr ein. Von unserer jetzigen Situation und Standpunkt aus vielleicht völlig unverständlich, aber jede Handlung muss man in seinem Kontext betrachten. Zu vergeben ist eine große und sehr wichtige Tugend. Er glaubte an die Unschuld der Menschen und vertraute seinen Verwandten. Natürlich nutzten einige seiner Verwandten diese Gutmütigkeit Osmans aus. Dies führte dazu, dass Unruhen sich verbreiteten und man mit Osman unzufrieden war. Man vertraute ihm nicht mehr. Einige beschuldigten ihm ein Verräter und Sündiger zu sein.  Dies führte in der Gesellschaft zu solchen Unruhen, dass man Osman umbringen wollte, was sie auch später taten. Osman wurde in seinem Haus getötet, als er wie so oft aus dem Koran rezitierte.  Sofort wurde Ali durch einige dazu gedrängt Khalif zu werden. Sie versprachen ihm Loyalität, sodass er, obwohl er nicht wollte, annahm. Ihm wurde sofort die Aufgabe aufertragen, die Mörder Osman`s zu finden. Die Verwandten von Osman verlangten Rache. Muawiye war derjenige, der sich energisch dafür einsetzte die Mörder Osmans so schnell wie möglich zu finden und zu bestrafen.  Aus diesem Grund lehnte er sich auch später gegen den Khalifen Ali auf. Er provozierte und forderte lautstark Ali heraus. Muawiye behauptete Ali stecke mit den Mördern Osmans unter einer Decke. Die Unruhen fanden kein Ende. Auch über Ali wurden Lügen verbreitet. Soweit, dass ca. im Jahre 37 sogar die Frau des Propheten Aisha gegen Ali eine Armee anführte. Die Armee wurde von Aisha selbst angeführt. Mit ihr zusammen waren Talha und Zubeyr, die auch Anspruch auf das Khalifentum erhoben. Doch noch auf dem Weg zum Schlachtfeld sah Aisha ein, dass sie Schuld an ihrem Konflikt war und wollte zurückkehren. Doch durch einige Frevler, die sich zwischen beiden versteckt hatten wurde der Kampf entfacht.

Dies ist sicherlich ein trauriger Zwischenfall, der mit dem Sieg Ali`s sofort geklärt und der Konflikt zwischen der Frau und dem Cousin des Propheten beseitigt wurde.

Doch die Unruhen dauerten weiterhin an.

Im Jahre 38 fand ein grausamer und brutaler Krieg zwischen Muawiya und Ali statt, den man SIFFFIN nennt. Wie gesagt änderte dieser Kampf vieles. Als Ali kurz vorm Sieg stand und Muawiye schon kapitulieren wollte, hatte Amr bin As, der Eroberer von Ägypten, der mit Muawiye Seite an Seite kämpfte einen Geistesblitz. Sofort befahl er seinen Männern ungefähr 500 Korane an die Spitze ihrer Speere zu Hängen und sagte: „Lasst den Koran zwischen uns entscheiden.“

Dies war ein strategisch wichtiger Zug. Ali wusste dies und lehnte diese Forderung ab, doch diese Schlacht, wo Muslime gegen Muslime kämpften war für alle ein sehr kraftraubender und eigentlich unnötiger, deswegen wollten einige aus den Reihen von Ali nicht mehr weiterkämpfen und diesen Vorschlag annehmen. Ali`s Truppe spaltete sich. Diejenigen, die diesen Vorschlag annahmen und diejenigen, die keineswegs aufgeben wollten und weitermachen wollten standen sich gegenüber. Ali stand aber jetzt vor einer schwierigen Entscheidung. Auf der einen Seite stand sein Widersacher, den er bezwingen musste, auf der anderen Seite waren so viele Muslime gestorben. Um nicht noch mehr unnötig Blut fließen zu lassen nahm Ali diesen Vorschlag an. Dies nennen wir mein Kind „Tahkim“. Es wurde beschlossen, dass ein neutraler Richter zwischen den beiden Fronten entscheidet. Dies hatte fatale Folgen. Denn damit hatte Muawiye einen Anrecht auf das Khalifat bekommen und wurde damit als rechtmäßiger Anwärter legitimiert.

Ali`s Macht war endgültig eingeschränkt. Eine neue Gruppe kristallisierte sich aus den Reihen Ali`s. Diejenigen, die für die Fortsetzung des Kampfes waren erklärten jeden, der diesen Vertrag annahm und nicht weiterkämpfte zum Kafir-Ungläubigen. Jeder der sich Ali zuwandte und nicht deren Meinung teilte wurde bekämpft. Diese Gruppe war sehr gefährlich. Die „Haridschin“also die „Abtrünnigen“ bekämpften sozusagen jeden und töteten Ali. Außerdem nannte man diejenigen, die Ali unterstützten „Schiatu Ali“ (Schia) was so gut wie „Anhänger Ali`s“ bedeutet. Ilias, alle Gruppen die unmittelbar hiernach und auch viel später entstanden finden ihren Ursprung in diesem Kontext. Auch Jahre danach diskutieren die Gelehrten darüber, wer Recht hatte und wie man es rechtlich klärt, wer denn jetzt legitmiert war und wer nicht. Hasan al Basri diskutierte mit seinen Schülern diesen Vorfall. Wieder ging es darum, wie dijenigen beurteilt würden, die auf der falschen Seite waren. Denn es gilt ja, wer eine Seele zu Unrecht tötet, der hat die ganze Menschheit getötet. Diese Sünde ist eine der größten Sünden. Also wurde auch die Lage der „Mürtekib-i Kebire“ derjenigen die große Sünden begehen aber Muslime sind, diskutiert. Ein Vasil bin Ata meldete sich zu Wort und sagte „El Menziletu beyne`l Menzileteyn“. Das bedeutet, das man nicht unbedingt sagen muss, dass ein „Murtekib-i Kebire“ ein Ungläubiger oder Gläubiger ist, es gibt auch einen Zwischenraum. Mit diesen Worten trennte er sich von Hasan al- Basri und gründete seine eigene Kalam-Schule. Man nennte diese Gruppe „Mu`tezila“. Die Mu`teziliten sind die ersten, die den Verstand und die Logik benutzen um islamische Sachverhalte zu erschließen, manchmal sogar so extrem, dass sie ganz ungeachtet der Quellen, nur ihren Verstand benutzten.   

Der „Iman“ - Glaube wurde in all seinen Facetten diskutiert. Darunter natürlich auch die Vorherbestimmung und der freie Wille.

 

Nach den Hanefitentum bleibt Mü`min immer noch Mü´min, auch wenn er Sünden begeht. Der Mensch ist nicht der Erschaffer seiner taten, er ist auch nicht völlig ohne freien Willen. Allah gibt uns die Kraft für die Umsetzung unserer Handlungen (Istidaa). Nehmen wir als Beispiel ein Messer. Allah gibt dir die Wahl selber zu entscheiden was du mit dem Messer machen möchtest. Entweder etwas Gutes oder etwas Schlechtes, das entscheidest du und Allah erschafft dir die Istidaa, die Kraft zur Umsetzung.

Es gibt sehr viele verschiedene Meinungen und auch Überlieferungen. Wichtig ist, die richtigen Quellen richtig zu benutzen. Die Methodik ist sehr zentral und muss systematisch sein. Was noch wichtiger ist, ist dass wir uns eine eigene Meinung bilden und gleichzeitig auch Andersdenkende respektieren. In der Vergangenheit wurden viele unnötige Kämpfe geführt, nur weil sich die verschiedene Gruppen nicht einer Meinung waren. Das darf nicht passieren. Leider gibt es immer noch Menschen, die sich anfeinden und bekämpfen statt gemeinsam zu agieren und ein gemeinsames Ganzes zu bilden. Muslime sind alle gleich, egal welcher Recht- und Kalamschule man angehört. Wir sind wie die Finger einer Hand. Jeder Finger ist anders, aber die Funktion ist gleich. Unser Prophet verglich die Muslime mit einem Gebäude wo alle Steine einander unterstützen und nur gemeinsam ein großes Ganzes ergeben.

 

Wir Muslime verlieren nur Zeit damit uns gegenseitig zu bekämpfen anstatt die Kräfte zu mobilisieren und Stärke zu zeigen. Dies ist doch auch der Grund, warum Muslime überall auf der Welt benachteiligt und diskriminiert werden. Wir haben untereinander keinen Konsens und Frieden. Da können wir uns von den Juden viel abkaufen.

Juden halten zusammen, obwohl ihre Zahl wenig ist. Sie haben aus der Geschichte gelernt. Nur durch Zusammenhalt und Einigkeit kann man aufrecht und stark bleiben. Solange wir Muslime nicht zusammenhalten und damit aufhören uns gegenseitig zu bekämpfen werden immer Muslime leiden müssen. Der Islam ist eine keine Religion die sich mit Schwert und Blut  verbreitet hat, sondern mit Liebe, Zuneigung und Disziplin. Natürlich wurden Kriege geführt. Aber wichtig ist, dass die Kriege nicht geführt wurden, um gekämpft zu haben, sondern um sich und andere zu schützen. Des Weiteren wurden die Eroberten Länder nicht zerstört. Die Menschen wurden auch nicht dazu gezwungen den Islam als Religion zu wählen. Der Islam wurde denen verkündet, wer wollte konnte annehmen, wer nicht wollte, konnte seine Religion weiterhin ausüben. „Es gibt keine Zwang in der Religion“ heißt es im Koran.

 

 

 

KATEGORİDEKİ DİĞER HABERLER

Die Frau im Judentum und Christentum

Die Frau im Judentum und Christentum

DEVAMI

Suat Mertoğlu - Islamische Texte in okzidentalischen Sprachen

Suat Mertoğlu - Islamische Texte in okzidentalischen Sprachen Unterrichtsprotokoll (Zusammenfassung)

DEVAMI

Videolar

  • Nuh Arslantaş: Mustafa Öztürk'le Din ve Hayat: Kur'an'da Yahudilik (Kanal 24 - 27.09.2014)
  • Kinder über den Islam - Ammar und Umeyr
  • Die Spaltung der Umma (Siffin-Tahkim)

Foto Galeri

<p>Yeni Ti-Entertainment.com hakkındaki görüşünüz?</p>