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Den Dschihâd verstehen Islam

Den Dschihâd verstehen

Den Dschihâd verstehen

Unter die islamischen Begriffe, die heutzutage am meisten diskutiert und missverstanden werden, gehört der Begriff Dschihâd. Einerseits wird dieser Begriff im Allgemeinen mit Gewalt und Terror gleichgesetzt und in Bausch und Bogen abgelehnt. Andererseits stellen einige Muslime ihre berechtigten oder unberechtigten Aktionen, bei denen Menschen ums Leben kommen, als Dchihâd dar. Im Chaos dieser Begrifflichkeiten, das durch diese entgegengesetzten Ansichten verursacht wird, ist es nahezu unmöglich eine tiefergehende Diskussion über den Dschihâd zu führen. Umso wichtiger ist es, sich als Muslim um das Verständnis und die Darstellung dieses Begriffes zu bemühen.

Dschihâd ist eine Lebens- und Auffassungsweise

Wenn man die göttliche Botschaft, die uns der Gesandte Gottes übermittelt und vorgelebt hat, in seiner Gesamtheit betrachtet, wird man zu dem Schluss kommen, dass der Dschihâd die Anstrengung ist, an jedem Ort und zu jeder Zeit, die Zufriedenheit Allahs zu erlangen. Die Betrachtung des gesegneten Korans und der Hadîthe wird zu dem Ergebnis führen, dass all diese Anstrengungen, Teile des Dschihâds sind.

 

Der Gesandte Gottes ist derjenige, der die Verse des Korans, die den Krieg betreffen, am besten verstanden und umgesetzt hat. In diesem Sinne kann nicht von einem „Heiligen Krieg“ gesprochen werden. Vielmehr müssen alle Anstrengungen und die Geduld, die der Mensch bei vielen Schwierigkeiten des Lebens aufbringen muss, als Dschihâd angesehen werden. Im Koran werden hierfür die Begriffe „für Allah” (lillâh) und „auf dem Weg Allahs“ (fî sabîlillâh) benutzt, welche wiederrum in vielen Hadîthen dementsprechend benutzt werden. Obwohl nach dieser Definition selbstverständlich auch der bewaffnete Kampf zum Dschihâd gehört, bedeutet das nicht die Verherrlichung des Kampfes an sich. Denn der Krieg ist ein Phänomen, das den Menschen von Anfang an begleitete und in seiner schlimmsten Form im I. und II. Weltkrieg Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Im Koran wird der Dschihâd – im Sinne von Kampf – lediglich als Mittel zur Verteidigung und als Aufforderung nicht vor einem unvermeidlichen Kampf zurückzuschrecken, beschrieben. Doch die Verse gebieten ebenfalls, nicht zu übertreiben und Frieden zu schließen, wenn es sich anbietet. Bevor wir nun diese Verse besprechen, soll nochmal daran erinnert werden, dass der Dschihâd eine Lebens- und Auffassungsweise ist. Außerdem muss darauf hingewiesen werden, dass ausschließlich die staatliche Autorität befugt ist, vom Recht der Verteidigung Gebrauch zu machen.

 

Dschihâd im Koran und in den Hadîthen

Im Koran heißt es: Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen erstand. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Unrechte und glaubt an Allah.“ [3:110] Mit diesen Versen beschreibt Allah den grundlegenden Charakter der Umma. Das Leben eines Muslims besteht also darin, das Rechte zu empfehlen und vom Unrechten abzuhalten. Diese Auffassung verherrlicht den Kampf nicht, sondern setzt sich dafür ein, ihn zu vermeiden.

 

Die Äußerungen unseres Propheten zum Begriff des Dschihâds erläutern den Sinn des obigen Verses. Mit dem Ausspruch„O ihr Menschen, ihr solltet nicht nach dem Gegner verlangen. Verlangt Wohlbefinden von Allah. Aber wenn ihr mit ihnen kämpfen müsst, seid geduldig. Ihr müsst wissen, dass das Paradies unter den Schatten der Schwerter ist.“ (Buchârî, Dschihâd, 22) verdeutlicht unser Prophet, dass man nicht nach dem Kampf verlangen soll, um mit den Worten „Der wahre Mudschâhid ist derjenige, der gegen seine Triebe kämpft.“ (Tirmizî, Dschihâd, 2) klarzustellen, dass mit Dschihâd nicht nur der bewaffnete Kampf gemeint ist. In einer anderen Überlieferung sagt der Gesandte Gottes: „Der beste Dschihâd ist derjenige, der gegen das eigene Ego und die Triebe geführt wird.“ (Dschamîus Sağîr, 1247) Der Begriff des Dschihâds, der in diesen Hadîthen beschrieben wird, betont das Streben der im obigen Vers genannten Umma, das Rechte zu empfehlen und vom Unrechten fernzuhalten. In einer anderen Darstellung des Dschihâds ist davon die Rede, sich gegen einen ungerechten Herrscher zu richten: „Der beste Dschihâd ist es, gegenüber einem ungerechten Herrscher das Rechte zu sagen.“ (Dschamîus Sağîr, 1246; Abû Dâwûd, Malahim, 18; Nasâî, Baj'a, 38)

 

Zum Dschihâd zählt auch, gegen soziale Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Unser Prophet hat einmal gesagt: „Sich für Witwen, Waisen und Bedürftige einzusetzen, ist ein Dschihâd.“ (Buchârî, Nafaka, 1) In einem anderen Hadîth beschreibt er den wahren Muhâdschir und Mudschâhid: „Ein Muhâdschir ist jemand, der vom Schlechten ablässt und ein Mudschâhid ist jemand, der gegen seine Triebe kämpft.“ (Gazâli, Bidâjatul Hidâja, S. 79) Darüberhinaus betont der Gesandte Gottes den Wert eines pünktlich verrichteten Gottesdienstes: „Der beste Gottesdienst ist das pünktlich verrichtete Gebet, seine Eltern gut zu behandeln und der Dschihâd auf dem Weg Allahs.“ (Dschamîus Sağîr, 1235)

 

Dass unser Prophet den Dschihâd als umfassende Lebensweise betrachtet hat, wird auch in folgendem Hadîth deutlich: „Der tugendhafteste Mensch ist der Gläubige, der sich mit seinem Leben und seinem Besitz auf dem Weg Allahs bemüht; dann der junge Mensch, der seine Jugend in Gottesfurcht verbringt. Dieser Mensch wird auch keine Gefahr für andere Menschen sein.“ (Dschamîus Sağîr, 1296) Des Weiteren wird auch das Vorgehen gegen diejenigen, die sich am Besitz anderer vergreifen, als Dschihâd angesehen.

 

Unser Prophet betont, dass derjenige, der sein Leben unter schweren Bedingungen verliert, als Schahîd stirbt: „Auf dem Weg Allahs zu sterben, bedeutet als Schahîd zu sterben. An der Pest zu sterben, heißt als Schahîd zu sterben. An Bauchschmerzen zu sterben, heißt als Schahîd zu sterben. Wer bei einem Brand ums Leben kommt, gilt als Schahîd. Wer bei einer Überflutung das Leben verliert, zählt zu den Schahîd. Die Frau, die bei der Geburt ihres Kindes stirbt, wird von diesem Kind in ihrem Bett ins Paradies getragen.“ (Dschamîus Sağîr, 6177)

 

Umfassendes Dschihâd-Verständnis

Wenn man diese Umschreibungen betrachtet, sieht man, dass alle Handlungen eines Muslims, die ohnehin in Einlang mit dem Willen Allahs sein müssen, zum Dschihâd zählen. Der Islam möchte, dass der Muslim in jedem Bereich seines Lebens in diesem Sinne handelt. Dazu gehört es, seinen Verdienst auf erlaubtem Wege zu erarbeiten und nur Erlaubtes zu essen und zu trinken, in der Beziehung zu anderen Menschen Recht und Gerechtigkeit walten zu lassen und das Gute zu fördern. Kurz: Das Leben zu bestreiten, heißt für den Muslim Dschihâd. So zählen alle persönlichen und gesellschaftlichen Bestrebungen, wie der Kampf gegen Ungerechtigkeit, der Einsatz für die Etablierung einer gerechten sozialen Ordnung oder die Bewahrung familiärer Strukturen zum Dschihâd.

 

Diejenigen, die verschweigen, dass der Prophet, als höchste Instanz, den Dschihâd als umfassende Lebensweise beschrieben hat, meinen in einigen Versen des Korans, den direkten Aufruf zu Kampf und Mord zu sehen. Unter diesen Menschen befinden sich viele Nichtmuslime, die als Islam-Experten lanciert werden sowie einige wenige Muslime, die den Dschihâd dem Terror gleichsetzen.

 

Beide Gruppen glauben im VersUnd tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt. Und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben; denn Verführung ist schlimmer als Töten. Bekämpft sie jedoch nicht bei der unverletzlichen Moschee, es sei denn, sie bekämpften euch dort. Greifen sie euch jedoch an, dann tötet sie. So ist der Lohn der Ungläubigen.“ [2:191] einen Beweis für ihre Behauptungen zu haben. Doch scheinen sie auszublenden, welches Verhalten unser Prophet bei der Einnahme Mekkas zutage gelegt hat.

 

Geschweige denn, dass sie sehen, dass in den folgenden Versen mehr zum Frieden als zum Kampf aufgerufen wird: „Wenn sie jedoch aufhören, so ist Allah verzeihend und barmherzig.“ [2:192] Weiter heißt es: „Und bekämpft sie, bis die Verführung aufgehört hat und die Religion Allah gehört. Und wenn sie damit aufhören, sei keine Feindschaft mehr, außer gegen die, welche unterdrücken.“ [2:193]

 

Dschihâd ist nicht gleich Krieg

Wie man sieht, haben diese Verse und der Hadîth „O ihr Menschen, ihr solltet nicht nach dem Gegner verlangen. Verlangt Wohlbefinden von Allah…“dasselbe Anliegen. Dabei muss man besonders hervorheben, dass sogar in dieser Situation vor einer Übetreibung gewarnt wird: „Und bekämpft auf Allahs Pfad, wer euch bekämpft, doch übertretet nicht. Siehe, Allah liebt nicht die Übertreter.“ [2:190] Von den Muslimen wird ebenso verlangt, es erst gar nicht zu einem Krieg kommen zu lassen: „… Der Hass gegen Leute, die euch von der unverletzlichen Moschee abhalten wollen, verleite euch nicht zu Verfehlungen. Helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft. Und fürchtet Allah; siehe, Allah ist streng im Strafen.“ [5:2]

 

Vor dem Hintergrund dieser Gebote wäre es eine Beleidigung, vom Gesandten Gottes, der im Vers „Und Wir entsandten dich fürwahr als eine Barmherzigkeit für alle Welt.“ [21:107] als Barmherzigkeit bezeichnet wird, eine andere Haltung zu erwarten.

 

Im Islam basiert das Leben auf der Förderung der Gerechtigkeit und dem Kampf gegen Unterdrückung. In diesem Sinne gebietet Allah den Muslimen untereinander sowie in den Beziehungen zu Nichtmuslimen gerecht zu sein.

 

„Allah verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein, die euch nicht wegen eures Glaubens bekämpft oder euch aus euren Häusern vertrieben haben. Allah liebt fürwahr die gerecht Handelnden. Allah verbietet euch nur, mit denen Freundschaft zu schließen, die euch des Glaubens wegen bekämpft oder euch aus euren Wohnungen vertrieben oder bei eurer Vertreibung geholfen haben. Wer mit ihnen Freundschaft schließt, tut unrecht.“ [60:8][60:9] Dies gilt sogar, wenn es zu einem Nachteil für die Muslime führt. All diese Verse rufen dazu auf, ein durch den Dschihâd diszipliniertes Verhalten an den Tag zu legen. Dabei wird jedoh nicht vergessen, dass auch Muslime – wie andere Menschen – von Zeit zu Zeit ihren Gefühlen verfallen können, parteiisch handeln oder übertreiben können.

 

Keine Verherrlichung des Krieges

In keinem der zitierten Verse kann von einer Verherrlichung des Krieges gesprochen werden. Ganz im Gegenteil werden die Muslime aufgerufen, Frieden zu schließen, sobald sich eine Möglichkeit dazu bieten: „Sind sie aber zum Frieden geneigt, so sei auch du ihm geneigt. Und vertraue auf Allah. Siehe, Er ist der Hörende, der Wissende. Und wenn sie dich betrügen wollen, so genügt dir Allah. Er ist es, Der dich mit Seiner Hilfe und mit den Gläubigen stärkt.“ [8:61][8:62]„... Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten, ohne euch zu bekämpfen, und euch Frieden anbieten, gibt euch Allah keine Erlaubnis, gegen sie vorzugehen.“ [4:90] Wie man sehen kann, ist der Islam eine Religion des Friedens, der nach Frieden verlangt, solange der Krieg nicht unbedingt erforderlich ist.

 

So lässt sich auch erklären, warum es falsch ist, religiös begründete Kriege in und zwischen muslimischen Staaten als solche anzusehen, die vom Islam geboten werden. Diese Kriege unterscheidet nichts von den Kriegen, die zur gleichen Zeit an anderen Orten der Welt geführt wurden. Deshalb muss die Bezeichnung „Heiliger Krieg“ nicht nur als falsch zurückgewiesen werden. Sie ist vielmehr eine bewusste Verfälschung des Begriffes Dschihâd.

 

Hinzukommt, dass das Wort „Dschihâd“ unterschieden werden muss von den Wörtern „Harb“ und „Kitâl“, die als Synonyme für Krieg benutzt werden. Wörtlich bedeutet „Dschihâd“„sich bemühen“,„Anstrengung zeigen“.„Harb“ hingegen meint die Vernichtung bis zur Unkennlichkeit, während „Kitâl“ das gegenseitige Töten bezeichnet. Man sieht also, dass dem Islam der Begriff des „Heiligen Krieges“ (Bellum sacrum: Bellum iustum) fremd ist.

 

Zusamenfassend kann festgehalten werden, dass der Dschihâd keine Form der Kriegsführung, sondern eine umfassende Lebensweise ist, weshalb er nicht mit Terror und Gewalt gleichgesetzt werden kann. Denn im Gegensatz zum Krieg, also einem zwischenstaatlichen Konflikt, bei dem das Leben von Zivilisten geschützt ist, kommen bei einer terroristischen Handlung viele Zivilisten ums Leben. Den Beschluss einen Krieg zu führen, der als Dschihâd angesehen werden kann, darf ohnehin nur eine staatliche Instanz fassen. Der Widerstand gegen eine unrechtmäßige Einnahme des Landes jedoch betrifft das ganze Volk, so dass zeitweise eine vom Volk anerkannte Widerstandsbewegung die Initiative ergreifen kann. Aber auch in einer solchen Situation haben die Verbote bezüglich der Kriegführung Gültigkeit.

 

Ein anderes Phänomen, dass nicht unbeachtet gelassen werden darf, ist, dass Terror neben Personen und Gruppen auch von Staaten ausgeht. So dient Terror auch heute Staaten als Mittel, um die eigenen Staatsbürger oder die Bevölkerung eines anderen Staates zu unterdrücken. Unsere Aufgabe ist es nun, dem Dschihâd-Verständnis des Islams zu neuem Leben zu verhelfen.


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